Haftung als Arzt

Was passiert, wenn ein Fehler unterläuft?

Diagnosefehler, Kunstfehler, Körperverletzung, Schadensersatz, Schmerzensgeld… Alles keine Begriffe die schön klingen. Darum gehen wir in dem Artikel deine Haftung bei ärztlichen Tätigkeiten mal ganz sachlich an.

Denn eine Sache steht leider fest. Fehler können passieren und Fehler werden passieren. Wir sind alles Menschen. Und stressige Arbeitsbedingungen, Personal- oder Schlafmangel begünstigen Fehler leider zusätzlich.

Wenn du im Krankenhaus angestellt bist und dir ein Fehler unterläuft, dann gibt es zwei Konstellationen:

  • Haftung gegenüber Patienten

Das Krankenhaus ist für den Patienten eigentlich erster Ansprechpartner und haftet auf Basis des Behandlungsvertrags. Bei schuldhafter Körperverletzung haftest du aber auch persönlich. Ein Beispiel dafür: Du hast einen Tumor nicht korrekt erkannt und der Patient fordert Schmerzensgeld.

  • Haftung gegenüber Krankenhaus

Hier wird geprüft, wie groß der Fehler war. Das läuft oft unter dem Begriff der Fahrlässigkeit. Für „kleineren“ Fehlern springt dann das Krankenhaus ein und übernimmt den Schaden. Bei größeren Fehler versucht das Krankenhaus die Schadenszahlung dann an dich weiterzugeben. Kann Absicht unterstellt werden, haftest du eh.

Was bringt die Haftpflichtversicherung?

Ärzte sind darum auch zu einer „hinreichenden Absicherung gegen Haftpflichtansprüche verpflichtet“. Dieser Absatz ist mit Absicht etwas schwammig formuliert, denn jedes Krankenhaus kann selbst festlegen, ab wann Sie Schäden an dich weitergeben. Wir reden bei Schadensersatz und Schmerzensgeld übrigens teilweise über mehrere Millionen €. In den USA wären die Summen noch wilder.

Sobald es Schadenersatzansprüche gegen dich gibt, greift dann deine Haftpflicht ein. Deren Aufgabe ist es alle fahrlässigen Schäden zu bezahlen und alle unberechtigten Anschuldigen abzuwehren.

Besonders gut: Solltest du zu Unrecht vom Patienten beschuldigt werden, übernimmt deine Haftpflicht sogar Gerichtskosten.

Leider wird es jetzt auch etwas kompliziert: Wann bist du unschuldig, wann war ein Fehler fahrlässig und wann kann sogar von Vorsatz gesprochen werden. Es gibt nämlich auch so etwas wie “bedingten Vorsatz”, da wurde der Schaden beim Patienten nicht bewusst verursacht aber in Kauf genommen.

Was passiert bei einer Gerichtsverhandlung?

Genau wegen dieser fließenden Grenzen kommt es immer öfter auch zu Gerichtsverhandlungen. Solltest du tatsächlich für den Fehler verantwortlich gewesen sein bleiben dann auch die Gerichtskosten an dir hängen. Dafür gibt es dann eine Rechtsschutzversicherung. Die bezahlt Anwälte und Gerichtskosten. Es wird zwar oft versucht, die Gerichtsverhandlung zu vermeiden und vorher eine Einigung zu erzielen, trotzdem steigen die Zahlen der Prozesse.

Spätestens jetzt geht ohne anwaltlichen Rat aber eh nichts mehr.

Vor Gericht wird der gesamte Fall nämlich detailliert aufgerollt. Wer hat wann was gemacht. Wie ist die Aufklärung dokumentiert, wie sieht die Krankenakte des Patienten aus, wer war bei der OP dabei, etc. Jetzt kannst du vielleicht auch nachvollziehen, warum viele Prozesse im Krankenhaus standardisiert sind. Die Fehlerquellen sollen minimiert werden, damit das Krankenhaus juristisch auf der sicheren Seite ist.

Beim Thema Haftung ist es wichtig, beide Seiten zu verstehen. Als Arzt gibst du für den Patienten immer dein Bestes und hast nicht vor ihn irgendwie zu schädigen. Sollte doch mal etwas passieren, hat auch der Patient Recht auf eine Entschädigung. Das ist dann auch für beide Seiten keine schöne Situation. Viele Fragen bei der Haftung sind zudem sehr komplex. Es werden schnell Anwälte und Gerichte eingeschaltet, damit alles genau geklärt werden kann. In der Situation brauchst du auf alle Fälle einen Anwalt, der dir bei allen rechtlichen Fragen zur Seite steht.

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