Eltern werden im Medizinstudium

Es gibt viele Beispiele, bei denen das Kinderkriegen während des Medizinstudiums gut geklappt hat. Ein Spaziergang ist das ganze trotzdem nicht.

Welche Punkte solltest du dabei berücksichtigen, um die neue Elternrolle möglichst kompatibel mit dem anspruchsvollen Medizinstudium zu gestalten?

Vorab: Ich bin selbst während des Studiums Vater geworden, habe mit Baby im Tragetuch meine Abschlussarbeit geschrieben und insgesamt super Erfahrungen damit gemacht. In diesem Artikel schauen wir uns mal die zeitlichen und finanziellen Herausforderungen vom Kind kriegen im Studium an.

Der perfekte Zeitpunkt für die Schwangerschaft?

Vor dem Kind kommt erst Mal die Schwangerschaft. Die war bei uns komplikationslos und unspektakulär. Klar, du wirst immer runder und Treppen steigen macht irgendwann nicht mehr so richtig Spaß. Den Großteil der 9 Monate Schwangerschaft kannst du dein Studium im besten Fall aber ganz normal durchziehen. Ein guter Sitzplatz ist dir zum Beispiel immer sicher. 🙂

Ausnahme: Infektionsgefahr

Gegebenenfalls wird der Patientenkontakt bei z.B. Praktika eingeschränkt oder du kannst bei einigen Mikrobiologie- oder Pathologie Kursen nicht mehr mitmachen. Alles was potentiell gefährlich für dich oder dein Kind sein kann, wird vermieden. Sprich dich hierzu am besten mit dem Studiendekanat ab.

Wichtig ist eher die zeitliche Planung. Wann soll das Kind da sein:

  • nach dem Physikum
  • ein Jahr vor dem PJ

Das Medizinstudium ist anspruchsvoll und stramm organisiert. Daher eine klare Empfehlung: Kind kriegen in den klinischen Semestern!

Im Physikum und im PJ bist du stark eingespannt und zeitlich unflexibel. Dein Kind kann zwar schon mit 6-9 Monaten mit der Eingewöhnung in der Kita starten. Zur Sicherheit würde ich aber mit dem Start ins PJ warten, bis da wirklich alles unkompliziert klappt und du dich auf die Kinderbetreuung verlassen kannst. Dann hast du nämlich wirklich 8h am Tag Zeit für die Vollzeitstelle im PJ.

Die klinischen Semester bieten ausreichen Flexibilität. Wenn alles glatt läuft und du gut zurechtkommst, kannst du sogar mit Kind in der Regelstudienzeit fertig werden.

Was kostet ein Kind?

Das ist natürlich super individuell. Was wird an Kleidung und Zubehör neu benötigt. Was soll der Kinderwagen kosten. Braucht ihr eine größere Wohnung.

Als Eltern wird man gerade zur Geburt gefühlt mit Kleidung und Co. zugeschmissen. Die Geburt ist aber trotzdem oft mit Kosten verbunden. Und seien es nur das Starterset Windeln oder IGel Leistungen beim Gynäkologen.

Grundsätzlich ist ein Baby aber pflegeleicht. Gerade in den ersten Monaten ist es mit Muttermilch und Schlaf sehr zufrieden. Und das sind zwei ziemlich kostengünstige Dinge. Und auch selbstgemachter Brei aus Möhren oder Pastinaken treibt dich später nicht in die Armut. Das Kind bekommt zudem ein Kindergeld von 204€. Bis zur Kita war das bei uns quasi Kosten deckend. Klar ist aber auch: Mit einem Kind können auch immer ungeplante Kosten entstehen. (Kleidung, Möbel, Arztbesuche, etc.)

Die beiden größten Kostenpunkte sind Wohnung und Kita. Je nach Stadt kann das echt teuer werden. Kita-Plätze kosten locker zwischen 150€ und 600€ im Monat. Daher ist auch genau zu planen, wie lange du noch mit Kind studierst und wie sich deine finanzielle Situation entwickelt. Denn ohne Kita-Platz oder Kinderbetreuung ist das Studium quasi nicht möglich.

Sinnvoll ist, wenn der Partner schon Geld verdient, finanzielle Reserven vorhanden sind oder die Familie euch unterstützt. Darüber hinaus gibt es noch verschiedene weitere staatliche Unterstützungen: Kinderzuschlag, Elterngeld, Bafög, Wohngeld, Studienkredit… Da sollte ganz individuell geprüft werden, was benötigt wird und worauf Anspruch besteht.

Familie ist Teamsport

Eine ganz wichtige Frage ist zudem: Wie möchtest du dein Leben im Studium gestalten?

Prüfung schreiben und Vorlesung besuchen ist mit Kind nämlich noch ziemlich gut möglich. MediMeisterschaften und Studentenpartys werden dagegen schon deutlich anspruchsvoller. Man kann ein Kind gut in den Alltag integrieren. Aber: als Elternteil trägst du Verantwortung für dein Kind und bist deutlich weniger flexibel. Heißt im Umkehrschluss, dass Planung und gemeinsame Absprachen wichtiger werden. Je mehr du dich auf deinen Partner und eure Familien verlassen kannst, desto besser könnt ihr eure Zeitplanung gestalten. Hier bringt das Studium aber auch wieder einen großen Vorteil mit sich: Du bist im Studium zeitlich viel flexibler als im Job. Vorlesungen nacharbeiten und Doktorarbeit schreiben geht von zuhause aus, Visite und Diagnostik eher nicht. Der größere zeitliche Aufwand ist im Studium aber auf keine Fälle zu unterschätzen.

Fixe neue Termine werden sein:

  • zur Kita bringen
  • von der Kita abholen
  • Diskutieren warum es kein Erdbeereis zum Abendessen gibt
  • Spielen, Kuscheln, Gute-Nacht-Geschichte vorlesen

Fazit:

Klar. Einige Herausforderungen gibt es. Besonders die Kosten für einen Kita-Platz und ggf. für eine größere Wohnung solltest du einkalkulieren. Dazu kommt die zeitliche Komponente. Wenn dein Kind gerade zahnt, kannst du konzentriertes Lernen zuhause vergessen.

Mein klare Empfehlung: Wenn du ins PJ startest, sollte die Kinderbetreuung geklärt sein. Du arbeitest in der Zeit quasi Vollzeit und die Fehltage sind beschränkt. Erfahrungsgemäß gibt es dort für junge Eltern immer Mittel und Wege, aber ohne einen 8h Kita-Platz wird es schwer.

Du hast im Studium aber auch einen ganzen Haufen Vorteile. Du bist an das Leben mit einem kleinen Budget gewohnt und hast eine breite Palette finanzieller Unterstützungsmöglichkeiten mit Kind. Zudem wirst du während des Studiums zeitlich deutlich flexibler sein, als später im Job. Mit guten Absprachen ist selbst das Schreiben einer Doktorarbeit nebenbei noch möglich.

Da sind wir aber bei einer Prämisse: Eine gute Planung. Wenn sich beide Elternteile gut absprechen und kümmern und vielleicht auch Oma und Opa noch mit unterstützen können, wird vieles deutlich entspannter. Denn weder das Medizinstudium, noch den Job als Elternteil solltest du unterschätzen. Es wird auf alle Fälle anstrengende Tage und auch mal kurze Nächte geben. Die Belohnung: Ein kleiner Fratz der irgendwann Mami oder Papi zu dir sagt.

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