Wie funktioniert eine Niederlassung?

Aktuell arbeiten ca. 40% aller Mediziner in Deutschland in der ambulanten Patientenversorgung. Entweder ist man dort in einer Praxis oder einem MVZ angestellt oder arbeitet einfach direkt in der eigenen Praxis. Da die ambulante Versorgung durch gute Bezahlung und flexiblere Arbeitszeiten gerade für junge Mediziner immer interessanter wird, werfen wir heute mal einen Blick auf den grundsätzlichen Ablauf und deinen Weg in die Niederlassung.

Klinik oder Niederlassung

Mit der Arbeit in der Klinik sind leider immer mehr Ärzte unzufrieden. Personalmangel, unflexible Arbeitszeiten und ständiger Kostendruck sind einige Argumente für die sinkende Zufreidenheit deiner Kollegen. Gleichzeitig fühlen sich viele Ärzte in der ambulanten Versorgung sehr wohl. Deutlich mehr Zeit und Freiheit bei der Behandlung der Patienten und eine bessere Work-Life-Balance durch z.B. wegfallende Dienste sprechen dafür.

Doch um in der ambulanten Versorgung zu arbeiten, musst du dich nicht sofort selbst niederlassen. Je nach Fachgebiet kannst du schon Teile deiner Facharztausbildung als Weiterbildungsassistent in einer Praxis absolvieren. So bekommst du einen ersten Eindruck vom ambulanten Arbeiten und kannst in der Assistenzarztzeit viel Lernen. Und auch als Facharzt kannst du es noch ruhig angehen lassen und aus der Anstellung heraus warten, bis die Niederlassung in deine Lebensplanung passt. Viele größere Praxen und MVZ’s beschäftigen sogar mehrere angestellte Ärzte gleichzeitig und selbst Einzelpraxen freuen sich mittlerweile oft über Verstärken. Der angestellte Arzt kann dort dann perspektivisch die Nachfolge übernehmen und lernt Stück für Stück Personal, Patienten und Abläufe kennen.

Die erste Überlegung bei dir sollte also sein: Welchen Facharzt möchtest du machen und wie bzw. wo möchtest du später arbeiten. Dann kannst du bereits während der Weiterbildung in den verschiedenen Bereichen Erfahrungen sammeln und deine Vorlieben klären. Du knüpfst wertvolle Kontakte, bekommst verschiedene Einblicke und Inspirationen und siehst vielleicht auch ein paar Dinge, die du später grundlegend anders machen möchtest. Nutze diese Zeit also um dich zu orientieren.

Voraussetzung für die Niederlassung

Eine eigene Praxis darfst du in Deutschland theoretisch direkt mit Erhalt der Approbation eröffnen. Dort wäre aber lediglich die Behandlung von Privatpatienten erlaubt. Um auch Kassenpatienten, also Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung, behandeln zu können sind folgende Schritte wichtig:

Facharztanerkennung

Der erste wichtige Schritt ist also die Facharztprüfung. Zum einen natürlich aus rein fachlicher Sicht. Als Facharzt hast du über mehrere Jahre Erfahrung in der eigenständigen Behandlung deiner Patienten nachgewiesen. In deiner eigenen Praxis bist du dann auch auf deine eigene Behandlung und Epertise angewiesen. Daher ist die Facharztzulassung auch die rechtliche Voraussetzung für den nächsten Schritt:

Kassenzulassung

Mit abgeschlossener Facharztausbildung musst du dich erstmal ins Arztregister deiner Kassenärztlichen Vereinigung eintragen lassen. Danach kannst du deinen Antrag auf Zulassung stellen. Jetzt prüft nämlich ein Zulassungsauschluss, ob du fachlich und persönlich alle Voraussetzungen erfüllst um Vertragsarzt zu werden und im Auftrag der Kassenärztlichen Vereinigung Patienten zu behandeln. Die Zulassung geht Hand in Hand mit dem nächsten wichtigen Punkt:

Freier Sitz

Du beantragst deine Zulassung nämlich immer für einen speziellen Sitz. Einfach gesagt regelt der Sitz welche Region und wie viele Patienten du versorgst. Da die Kassenärztlichen Vereinigung einen sogenannten Versorgungsauftrag hat, prüft sie die Sitzvergabe genau. Ziel ist es nämlich möglichst allen Kassenpatienten auch einen Arzt zur Verfügung zu stellen. Es soll also vermieden werden, dass es in der Stadt ein Überangebot an Ärzten und dafür fehlende Versorgung auf dem Dorf gibt.

Genau diese Planung wird über die Zulassungs- und Sitzvergabe gesteuert. Du kannst also bei deiner Vorebreitung schon wichtige Weichen dafür stellen, ob du den gewünschten Sitz ohne Probleme sofort bekommst oder bei einem heiß begehrten Sitz erstmal auf die Warteliste kommst.

Praxisform

Als nächstes ist wichtig zu klären, welche Gesellschaftsform deine Praxis haben soll. Möchtest du z.B. alleine in der Einzelpraxis oder mit anderen zusammen in einer Gemeinschaftspraxis arbeiten? Möchtest du dich mit Ärzten gleicher Fachrichtung zusammenschließen oder lieber durch unterschiedliche Fachrichtungen ergänzen? Jede Praxisform hat Vor- und Nachteile. Daher kannst du auch hier mit einer Pro/Contra Liste arbeiten um zu schauen, welche Punkte dir am wichtigsten sind.

Standort

Zu guter letzt geht es um den konkreten Standort. Also wo genau deine Praxisräume sind. Hierfür gibt es drei verschiedene Möglichkeiten:

  • Praxisräume von einem z.B. in Rente gehenden Kollegen komplett übernehmen
  • in eine bestehende Praxis und bestehende Räume mit einsteigen
  • Räume komplett neu und nach eigenen Wünschen gestalten

Auch hier gibt es wieder diverse Vor- und Nachteile. Bei der Übernahme einer bestehenden Praxis sind Räume und Patienten z.B. schon vorhanden. Gerade die Räume von Ruhestandsabgaben sind aber oft nicht mehr ganz up-to-date. Du kannst also theoretisch direkt mit der Arbeit loslegen, willst aber oft noch ein paar Dinge nach deinen Vorstellungen modernisieren.

Bei einer Neugründung hast du den Vorteil, dass du von Anfang an alles nach deinen Wünschen planen und bauen kannst. Dafür ist die Vorbereitung hier in der Regel etwas aufwändiger.

Fazit

Beim Weg in die eigene Praxis gibt es einige wichtige Dinge zu beachten, aber zum Glück auch einen ganz klaren Leitfaden und to Do’s. Neben den organisatorischen Voraussetzungen wie der Facharztanerkennung ist vor allem die Wahl der Praxisform und des gewünschten Sitzes ausschlaggebend für deine zukünftige Arbeit. Wo möchtest du mit wem zusammenarbeiten und welche Patienten behandeln? Das tolle ist: du bist der Chef in deiner Praxis und kannst nicht nur theoretisch sondern auch praktisch alles nach deinen Wünschen gestalten und ausrichten. Für eine übersichtliche Standortanalyse inkl. offener und geschlossener Sitze und Einkommenspotentialen für deine Orientierung kannst du dich gerne unter dem folgenden Button melden.

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